FAQs

Fragen und Antworten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den geplanten Änderungen im Gesundheitswesen und unseren Forderungen:

  • Erstens, weil die Politik den Anschein erweckt, dass es keine Einsparungen geben und die Qualität dennoch gleich hoch bleiben werde. Das kann nicht stimmen! Der Bedarf an Gesundheitsleistungen wird steigen. Dafür sind ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen.
  • Zweitens, weil diese Vereinbarungen, sollten sie im Parlament gesetzlich legitimiert werden, den Freibrief für einen radikalen Umbau des österreichischen Gesundheitssystems darstellen. So soll die Politik in Zukunft vorgeben, wo und in welcher Form Versorgung im niedergelassenen Bereich stattfinden soll.
  • Drittens, weil die Politik es verabsäumt hat, die Ärzteschaft mit ihrem ganz wesentlichen Sachverstand einzubinden. Das ist so, als würde der Bund mit der Wirtschaftskammer einen Kollektivvertrag aushandeln, ohne die Gewerkschaft einzubinden.
  1. Es wird zur weiteren Ausdünnung und zu Kürzungen kommen, weil sich die Ausgaben für die Gesundheitsversorgung nicht mehr daran orientieren, was die Bevölkerung braucht, sondern daran, wie stark das Bruttoinlandsprodukt wächst. Das bedeutet im Klartext: Welche Leistungen kranke Menschen bekommen, richtet sich nicht nach deren Bedürfnissen, sondern nach der Entwicklung des Wirtschaftswachstums.
  2. Die Gesundheitsausgaben aller Industrieländer steigen vor allem deshalb, weil
    • immer mehr Menschen immer älter werden und medizinische Betreuung brauchen. Mehr betreuungsbedürftige Menschen kosten mehr Geld.
    • immer mehr Krankheiten behandelbar sind, an denen Menschen bisher frühzeitig gestorben sind. Zusätzliche Behandlungsmethoden kosten mehr Geld.
  3. Diese Entscheidung, wem knappe medizinische Leistungen zur Verfügung gestellt werden, will die Politik an die Ärzte delegieren. Das akzeptieren wir nicht. Als Ärzte entscheiden wir nicht nach ökonomischen, sondern nach medizinischen Kriterien. Wir behandeln jeden Menschen unabhängig von Herkunft, Stand und Vermögen gleich.
  4. Die 200 Mio. €, welche die Politik in den Ausbau der Primärversorgung stecken will, sind kein zusätzliches Geld. Diese 200 Mio. € werden aus dem Budget der Krankenversicherung herausgenommen. Um diese Lücke zu füllen, wird bei anderen Kassenleistungen gespart werden. Und das werden die Patienten spüren.
  1. Keine unüberlegten Einsparungen! Bei der Gesundheit gilt: Weniger ist NICHT mehr. Und ohne Gesundheit geht gar nichts.
  2. Breites, wohnortnahes Angebot und individuelle Wahlmöglichkeiten statt einheitlicher Staatsmedizin!
  3. Ärztinnen und Ärzte in die Planung einbinden – für ein patientenfreundliches medizinisches Angebot!
  4. Vorrang für ambulante Versorgung in (Gruppen-)Praxen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte!
  5. Funktionierende Versorgungssysteme weiter ausbauen und weiterentwickeln!
  6. In der Gesundheitspolitik gibt es schon genug Gesetze und Vereinbarungen. Wertschätzung für Gesundheitsberufe statt staatlicher Regelungswut!

Die ÖÄK unterstützt natürlich die geplanten Aktionen der Kolleginnen und Kollegen in den Bundesländern. Zusätzlich adressiert die Österreichische Ärztekammer eine intensive Aufklärungs- und Informationskampagne an die Bevölkerung.

Nehmen wir als Beispiel die Kassenstellen: Bisher erfolgte die Versorgungsplanung des niedergelassenen Bereiches einvernehmlich zwischen Sozialversicherung und zuständiger Ärztekammer im Wege von Stellenplänen, die einen wesentlichen Bestandteil von Gesamtverträgen darstellen. Nunmehr will man auf die Expertise der Ärzteschaft völlig verzichten. Vermutlich weil die Ärzte bisher stets jene waren, die häufig gegen den Willen der Kassen eine bessere, patientenorientierte Versorgung eingemahnt und durchgesetzt haben. In Zukunft will man die Planung des niedergelassenen Bereiches offensichtlich nur mehr nach ökonomischen – anstatt nach medizinisch notwendigen – Gesichtspunkten vornehmen.

Beispiel Ambulatorien: Durch gesetzliche Maßnahmen soll die medizinische Versorgung von den derzeitigen Einzelordinationen in Zentren und (kasseneigene) Ambulatorien verlagert werden. Dadurch gehen der individuelle Ansprechpartner und die Wohnortnähe verloren.

  • Beispiel Errichtung von Krankenanstalten: Derzeit gibt es klare gesetzliche Kriterien, wann und in welcher Form eine Krankenanstalt zu errichten ist, z.B. die Verpflichtung zur permanenten Erstversorgung von Akutfällen in einem nach der Höhe der Einwohneranzahl definierten Einzugsgebiet. Künftig sollen sich diese Kriterien nach allgemeinen Planungsgrundsätzen richten. Das ist weder übersichtlich noch transparent.
  • Beispiel Aufgaben von Krankenanstalten: Aktuell ist z.B. eine „Standard-Krankenanstalt“ für die allgemeine Basis- und Akutversorgung rund um die Uhr zuständig. Künftig soll es nur mehr eine Basisversorgung für chirurgische und unfallchirurgische Akutfälle geben.
  • Beispiel Erreichbarkeitskriterien: Künftig soll die Zeitspanne, binnen derer eine bestimmte Spitalsabteilung, z.B. Chirurgie, erreichbar sein muss, nach Gutdünken verlängert werden können. D.h., wer weiter weg wohnt, hat Pech gehabt.
  • Beispiel Ärzte-Arbeitszeiten: Die Spitalsambulanzen platzen jetzt schon aus allen Nähten. Wenn es weniger Kassenärzte gibt, werden noch mehr Patienten ins Spital gehen, die eigentlich auch in einer Ordination behandelt werden könnten. Doch auch im Spital gibt es jetzt schon nicht genügend Ärzte. Manche Bundesländer haben daher vor, die Ärzte in öffentlichen Spitälern auch weiterhin bis zu 60 Stunden die Woche arbeiten zu lassen, um auch diese zusätzlichen Patienten zu versorgen. Doch auch Ärzte sind nur Menschen. Auch sie müssen ausgeruht sein, um ihre Arbeit sicher und gut zu erfüllen.